Zur Gender-Agenda

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Seit zweihundert Jahren (seit Francis Place [1822]: Illustrations and Proofs of the Principles of Population) dient Frauen-Empowerment „wirtschaftsliberaler“ Bevölkerungskontrolle.[1] Thomas Robert Malthus hatte 1798 das „Überbevölkerungsparadigma“ geschaffen, das darauf abzielte, die staatliche Versorgung der Armen zu reduzieren bzw. abzuschaffen (obwohl im kolonialen England die Landbevölkerung aufgrund von Einhegungen verarmt war).[2] Auf Basis von Malthus argumentierte sogleich die „wirtschaftsliberale“ (marktradikale) Elite [3] (wie etwa Bentham, Mill sen. und Mill jun.) sowie 1878 dann auch Annie Besant, eine Mitgründerin der Malthusian League, in The Law of Population.
"The first women to advocate birth control in public was Annie Besant in 1878." (Jolanda Y. Cornish: Women and Literature. Discovery and Exploration. Bloomington 2008, p. 52).



„Für die hemmungslose Monetarisierung des Globus, die gleichbedeutend mit der neuen Weltordnung ist, erweisen sich Frauen, die durch ihre Herkunft aus Entwicklungsländern markiert und zugleich in die zivilen Strukturen der USA oder der EU integriert – bzw. in der Integration begriffen – sind, als eine nützliche Sache. Gramsci hat aus seiner Gefängniszelle heraus bereits düster vorhergesagt, dass die USA ihre Minderheiten in genau dieser Weise instrumentalisieren würden.“
Gayatri Chakravorty Spivak (2009): Alte und neue Diasporas. Frauen in einer transnationalen Welt, S. 28.


Nur vordergründig dient die Gender-Agenda also einer Vision neomarxistischer Gerechtigkeit. Im Hintergrund bestehen eine Menge (unterschiedlicher) Interessen an einem instrumentalisierten Radikalfeminismus[4] bzw. an der Gender-Ideologie (siehe beispielsweise Nancy Fraser). Der bevölkerungspolitischen Entwicklung der heutigen Gender-Agenda (PDF) ab 1952 wird in folgender Textdatei nachgegangen:


Susanne Schultz [5] ging 2003 noch davon aus, dass die Strategie antinatalistischer Bevölkerungspolitik ausschließlich auf Entwicklungsstaaten bezogen ist. Das Schweigen bzw. die Zustimmung der Mehrheit der Feministinnen in diesem Zusammenhang bezeichnet Frau Schultz als ‚ideologische Schizophrenie' (PDF). Nach wie vor erklärt UN WOMEN (2011) nach der Lehre des Freudomarxismus´: "The heterosexual family is the oldest model of patriarchy and is the place that expresses the worst forms of resistance." (PDF, S. 1).

In Deutschland wird der Versuch einer sozial differenzierenden Bevölkerungspolitik betrieben (vgl. Müller 2010, S. 7; vgl. Kahlert 2007, S. 63: „Dem Konzept der ‚nachhaltigen Familienpolitik' zufolge soll die Geburtenförderung in Deutschland sozial differenziert erfolgen.“) Pronatalistische Förderung ist im Rahmen „nachhaltiger Familienpolitik“ (PDF) auf Akademikerinnen bezogen, scheitert aber großteils. Gleichzeitig ist die Auflösung traditioneller Familienmodelle (der Mann als Ernährer der Familie) beabsichtigt sowie die Auflösung generationaler Familienordnung (als „Brutstätte“ kapitalistisch-gesellschaftlicher Ordnungen nach Fromm 1932, Reich 1932/33/36, Horkheimer 1936), denn Freudomarxistinnen erkären die „Ungerechtigkeit der Welt“ mit einer Verknüpfung von Kapitalismus, Patriarchat, vaterrechtlichem Besitz (vgl. Zu Wilhelm Reich, Freudomarxismus der 1968er und Gender-Indoktrination). Dennoch tragen zur „Ungerechtigkeit der Welt“ instrumentalisierte Gender-Marxistinnen weiterhin bei – ein Dilemma ‚ideologischer Schizophrenie':


„So wurde Frauenförderung von den 80er Jahren an auch als flankierende Maßnahme für die Bevölkerungspolitik angesehen. Im Interesse einer Effektivierung der Entwicklungs- und Bevölkerungspolitik wurden Frauen funktionalisiert, ihre Lebenssituation sollte verbessert werden, damit sie weniger Kinder bekommen. Dabei ging es nicht darum, was die Frauen selbst wollen.“
Ursula G. T. Müller: Geschlechterverhältnisse in einer globalisierten Welt (PDF; 173 kB), S. 7.


„In der Erzählung des population establishments, zu dem die UNFPA, aber auch die Weltbank und die Trägerorganisation der Safe Motherhood Initiative [Weltbank, UNFPS, UNICEF, WHO, Population Council, International Planned Parenthood Federation] zu rechnen sind, werden Risikoszenarien von Müttersterblichkeit, Geburtenüberschuss und ungewollten Schwangerschaften beschrieben und direkt daran anknüpfend bevölkerungspolitische Massnahmen formuliert.“
Annemarie Sancar, Leena Schmitter: Bevölkerungspolitik, reproduktive Rechte & Feminismus. Bevölkerungspolitik als Allheilmittel (PDF; 328 kB), S. 4.


„IT IS CLEAR THAT POPULATION CONTROL POLICIES ARE CENTRAL TO IMPERIALIST STRATEGIES AND THAT THEY ARE A CONTINUATION OF WAR IN DISGUISE TO KEEP UNDER CONTROL THE RESOURCES OF THE WORLD FOR ELITES OF THE NORTH AND THEIR COLLABORATORS IN THE SOUTH.
The claim that population is the cause of under-development or environmental degradation is a grand lie to hide the sufferings of the people caused by colonial and new colonial oppression and violence as well as to silence the resistance of the people of the world to defeat neo-colonial world (dis)order.“
Declaration of People's Perspectives on "Population" Symposium (Declaration of Comilla 1993) (PDF; 104 kB), p. 8.


Voluntary motherhood was the first general name for a feminist birth control demand in the United States in the late nineteenth century.“
Linda Gordon (1973): Voluntary Motherhood. The Beginnings of Feminist Birth Control Ideas in the United States (PDF), p. 1.



  1. "Francis Place (I77I-I854) has been described as the founder of the British birth control movement. [...] But his activities had no discernible effect on Britain's birth-rate which remained consistently high for the first three-quarters of the nineteenth century." C. P. Blacker: Family Planning and Eugenic Movements in the Mid-twentieth Century (PDF). In: THE EUGENICS REVIEW, January 1956, p. 225.
  2. Malthus argumentierte zu Gunsten der Interessen der (Groß-)Grundbesitzer, gegen die Unterstützung der Armen („Samariterdilemma“) – vgl. Stockmann, Menzel, Nuscheler: Entwicklungspolitik. Theorien – Probleme – Strategien. Berlin und Boston 2016, S. 55.
  3. "Smith, Bentham, Malthus and Ricardo all demanded its [old poor laws] abolition. The Poor Law Amendment Act of 1834, drafted by the Political Economists, sharply cut payments to the poor." (Gregory Clark, Marianne Page 2008: Welfare Reform, 1834 (PDF; 331 kB), p. 1).
  4. Radikalfeministinnen, üblicherweise radikallesbisch, verfügen tendenziell über ein hohes Aggressionspotenzial gegenüber „dem Mann“, zumeist aus eigener Erfahrung, die als massiv unterdrückend kodiert wurde. Unverfänglicher definiert Ina Kerner (2007): „Radikale Feministinnen schließlich führen meist die Ausbeutung von Sexualität an, genauer die patriarchale Kontrolle des weiblichen Körpers als Reproduktionsmittel und Lustobjekt sowie eine Sozialisation, die den Erfordernissen dieser Ausbeutung und Kontrolle gerecht wird (vgl. z.B. MacKinnon 1989).“ In: Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlecht. Perspektiven für einen neuen Feminismus (PDF; 277 kB), S. 8.
  5. Literaturempfehlung: Susanne Schultz (2006): Hegemonie – Gouvernementalität – Biomacht. Reproduktive Risiken und die Transformation internationaler Bevölkerungspolitik. Siehe auch Zur Gewalt-gegen-Frauen-PR-Kampagne.

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